Wo die Götter
Urlaub machen
von Conny Görres
Segeltörn
in den südl. Sporaden (Dodekanes)
vom 13.09.-23.09.2003 ab Rhodos mit.
Manfred l. Skipper
Oliver
vorgesehener 2. Skipper
Christian
Küchenchef
Manfred
Manni two,
Rechnungsprüfer
Hans-Peter
Dingi-King, Klimperhannes
Thomas
Bordkassenwart
Conny
Schriftführer
Samstag.
13.09.
Um 8.30 Uhr
treffen wir uns am Bahnhof Koblenz. Thomas setzt mich und Gepäck
ab und bringt den Wagen in die Garage.
Zwischenzeitlich sind alle da, als Thomas
noch mal vorfährt, er hat unseren Skipper
vergessen. Manfred l sitzt noch zu
Hause und glaubt, abgeholt
zu werden. 15 min später, mit innerstädtischen
50 km/h
pro Reifen , ist auch unser Skipper bei
uns. Abfahrt Koblenz 8.50 Uhr mit
Zwischentsopp in Linz,
um Manfred 2 aufzunehmen, sind wir 10.30 Uhr in
Düsseldorf Flughafen. Wir nehmen zu
Kenntnis, dass unser LTU Flug 50 min
Verspätung hat, geben das Gepäck auf und
gehen frühstücken.
Nach ruhigem
Flug via Rhodos und Transfer mit 2 Taxen, stehen
wir um 18.00 Uhr
Ortszeit im Hafen der Stadt
Rhodos, vor einer Bavaria 50 mit dem
Namen „always
summer", die für die nächsten
10 Tage unser Zuhause sein wird. Wir wurden mit
Sonne empfangen und auch am Abend ist es sehr warm. Wir wollen unser Boot
inspizieren, während uns ein Supermarkt-Besitzer
in sein Auto zerren will, um uns
in seinen Laden zu entführen. Christian.
Hans-Peter und Thomas schließen sich dem
Supermarkt-Pirat an und erledigen die Einkäufe. Manni two bewacht unser
Gepäck
und Manfred l, Oliver und ich lassen uns die „always
summer" erklären, von einem
übernervösen Griechen, der schlecht Englisch spricht und permanent den
Eindruck
vermittelt, keine Zeit für uns zu haben, Das Schiff ist
nicht gerade in Bestem
Zustand, aber soweit Übernahme fertig.
Zwischenzeitlich warnt uns jemand vor
dem Supermarkt-Besitzer, mit dem unsere
Freunde gefahren sind. Nachher stellt
sich heraus es war die Konkurrenz, der uns
lieber in seinen, ebenfalls viel zu teuren
Supermarkt fahren wollte. Hier bestätigt
sich wie gut es war, dass Christian schon
zuhause sehr umsichtig einkaufen war und
jedem von uns eine Erstauss+a+tung mit
ins Gepäck gegeben hatte.
Tip
für die Zukunft: am Zielort selbst
mit einem Taxi in einen Supermarkt der
eigenen Wahl fahren.
Nachdem
das Gepäck und die Einkäufe an Bord sind,
finden wir Wasser unter den
Salonsitzen, dass der Vercharterer
erst eimerweise entfernen muss, bevor wir
einräumen können. Unser 2. Skipper Oliver
hat seinen Führerschein vergessen, egal,
der Vercharterer nimmt auch meinen,
griechische Bürokratie nimmt es nicht so
genau. Am Abend gehen wir in die Altstadt
von Rhodos und treffen dort Nachbarn
von Hans-Peter und Oliver, die uns in ein nettes
Lokal führen. Bei gutem Essen,
Wein und Bier, haben wir einen schönen Abend mit
Heike und Elmar, die uns später
auf ihrem Motorrad verlassen. Wir gehen an Bord, trinken noch einen und freuen
uns auf den nächsten Tag, unseren ersten Törntag zur Insel Symi.
Sonntag 14. September
Um 8.OOUhr
kommt Bewegung ins Schiff und um 9.15 Uhr
legen wir ab, nachdem
uns Christian mit einem guten Frühstück
gestärkt
hat. Das Wetter
ist prima,
sonnig, mit Wind von vorne fahren wir Kurs 275 ° unter Motor, typisch Segeltörn,
Richtung Symi, 22 Seemeilen liegen
vor uns. Die Stimmung ist prima und jeder
relaxed auf seine Weise während die
türkische Küste an Steuerbord
an uns vorbei
zieht. Die
kleine Insel Seskli, südlich von Symi,
umfahren wir auf südlicher Seite
und fahren dann nach Norden, entlang der Ostküste
von Symi.
Manfred hat wieder eine super Badebucht
ausgesucht und steuert die Ormos
Thassalona an, eine Bucht mit einer
kleinen Kapelle, auf Friedhöfe oder
Gotteshäuser treffen wir häufig in
Buchten die Manfred aussucht, mit
kleinem
Kiesstrand und senkrecht abfallenden Felswänden zum Wasser hin, also nur vom
Wasser aus erreichbar. Wir legen uns vor Anker und da wir nicht
allein sind, kommt
schon hier der Spannomat erstmalig
zum Einsatz . Alle springen in klares, 27°
warmes Wasser und genießen die Erfrischung. Anschließend duschen alle auf
der
Badeplattform und machen sich landfein. Wir verlassen die Bucht
und fahren
weiter nach Norden, dann am Ende der Ostküste
südwestlich in die Bucht der
Stadt Symi, wo wir am Yachtkai mit Buganker
festmachen, mit soviel Kette, dass
sie uns ausläuft und wir Leine nachgeben
müssen.
Schnell sind
wir fertig für einen Spaziergang durch das malerische Städtchen,
am
Hang gebaut und suchen auch schon ein Lokal
für den Abend aus, direkt am Wasser,
hinter dem Uhrenturm mit Blick über die
ganze Bucht. In einem kleinen Supermarkt
kaufen wir nach, was noch fehlt, Wein und Campari.
Auf dem Rückweg sehen wir
den später eintreffenden Schiffen beim
Anlegen zu. Ein Deutscher . Schande der
Nation, kreist
unter Vollgas 8-10 mal im Hafen, gibt
dann auf, fährt wieder raus,
um wenig später wiederzukommen und dieses
unwürdige Schauspiel zu wiederholen.
Irgendwann hat er es dann geschafft und liegt ebenfalls am Kai, bis heute ein
Rätsel wie. Wir bringen unseren Einkauf an Bord und gehen zum Essen in das
bereits ausgesucht Lokal. Die
Wahl war vortrefflich, wie sich herausstellt,
denn wir
sitzen herrlich, werden zuvorkommend bedient, essen hervorragend und zahlen
weniger
als in Rhodos. Bei guter Unterhaltung
vergeht der Abend schnell und Hans-
Peter fröstelt im warmen Abendwind während alles im kurzen Hemd um ihn
herumsitzt,
Den Gang zur Toilette
empfindet er als angenehm aufwärmend.
Nachdem Manni two,
seiner Aufgabe der Rechnungsstellung nachgekommen ist,
gehen wir an Bord, nehmen noch 1-2 Absacker und nach und nach zieht es jeden
in
die Koje. Thomas und ich sind die Letzten
und werden noch unfreiwillig Ohrenzeuge
einer angeregten Diskussion
auf dem Nachbarschiff, in der sich Ossis über die
bequemen Wessis unterhalten und sich gegenseitig
mit Stolz erzählen, was sie nach
der Wende schon alles aufgebaut haben,
Das Reicht für den Abend, jetzt gehen
auch wir ins Bett.
Montag.
15. September
Kirchenglocken
und der Müllwagen wecken uns in der Reihenfolge und sorgen dafür,
dass ab 7.00 Uhr wieder was los ist
an Bord. Oliver und ich gehen Brot und Eis
für
die Kühlung kaufen und wir erleben eine kleine Bäckerei wie ich sie nur aus
Erzählung meiner Großeltern kenne, Backstube gleich Verkaufsraum mit
großem
Holzofen. Brot und Snacks für den Mittag
sowie Eis sind schnell gekauft und wenig
später, 8.20 Uhr, legen wir ab. Bei Sonnenschein und blauem Himmel genießen
wir
den Blick auf Symi beim auslauten.
Mit nördlichem Kurs umfahren wir Nimos
im
Norden um dann mit Kurs 278° westlich
Richtung Kos zu fahren, natürlich unter
Motor, denn wir haben wieder Wind von vorn. Die Küste der nördlich von uns
gelegenen türkischen Halbinsel ist unsere
Landsicht, die nach halben Weg endet.
Ab hier wird das Wasser rau und die „always
Summer" arbeitet sich schwer und
schaukelnd durch die Wellen und Dünung. Jeder entspannt
wieder auf seine Weise
und genießt die Überfahrt nach Kos. Auf
Kos steuern wir die Ormos Kamari
an, und
machen südlich am Kai vor Anker fest, nach
42,4 Seemeilen. Zwei Anläufe sind
nötig,
da uns l mal der Anker aus der Winde springt und nur mit vereinten Kräften
zu sichern und wieder zu fixieren ist. Der
anschließende Landgang zeigt eine schöne
Badebucht mit
zahlreichen Bars, Supermärkten und Restaurants.
Wie am Vortag
finden wir ein schönes Lokal direkt am Strand, wo wir mit herrlichem Blick
ebenso
gut essen. Nach einem kurzen Verdauungsspaziergang gehen wir noch in einen
Supermarkt nahe dem Schiff, indem wir ein paar kleine Einkäufe erledigen. Ein
hier
von Thomas erworbenes Kartenspiel soll uns
noch oft zu wahren Lachsalven
verhelfen. Auf dem Schiff wundern wir uns über zahlreiche Autos, Mopeds und
Busse, die völlig unsinnig und ohne erkennbaren Grund auf unsere Mole fahren,
dort
wenden und wieder verschwinden. Ein paar Bier und Wein später
gehen alle in die
Koje, denn morgen wollen wir noch früher ablegen.
Dienstag. 16.
September
Der
anspringende Diesel weckt
um 7.15 Uhr das ganze Schiff. Um 7.25 Uhr legen
wir ab und verlassen Kos mit dem Ziel Patmos.
Kurs 304°, blauer Himmel und
Sonnenschein, Frühstück unter
Deck nach der Ausfahrt, denn der Wind bläst
schon
stark. Nachdem wir die Südspitze von Kos umfahren, haben wir auf der
Westseite
der Insel Wind und Wellen von vorn, so stark, dass
unser schiff nur noch 2,8
Knoten Fahrt macht. Als wir die Westküste
von Kos hinter uns haben, entschließen
wir uns zum Kurswechsel 200 ° Richtung Kalymnos.
Mit der geringen Fahrt hätten
wir Stunden bis Patmos gebraucht,
und der Sprit wäre knapp geworden, auch
der
Spaßfaktor hätte gelitten. Auf der
Südseite von Kalymnos steuern
wir die Ormos
Kalymnou an, eine große Bucht mit
geschütztem Hafen. Wir bunkern Diesel
über
einen Tankwagen vom Fährkai und legen uns dann im Westen ans Yachtkai
vor
Anker, direkt neben der Wasserstelle.20
Seemeilen bei diesem Wind waren genug,
jetzt stärkt uns Christian mit Bratwürstchen
und Salat bevor wir alle das kleine
Städtchen
Kalymnos inspizieren. Nach unserem Landgang wollen wir Wasser
bunkern, wenn das Büro mit dem Schlüssel
für den Wasserhahn endlich öffnet.
Auch Duschen werden hier angeboten. In
einem Internet-Cafe holt sich Manfred
die Wetterdaten für die nächsten Tage und
als wir von unserem Spaziergang
zurückkommen ist das Marina-Büro immer noch geschlossen. Ein junger Mann aus
dem Nachbargeschäft sieht
unserer Ratlosigkeit und besorgt uns über
den
Hintereingang des Büros den Schlüssel fürs Wasser und zeigt
uns die Dusche.
Befragt wann das Büro öffne, meint er,
dass ist mal so und mal so, der Betreiber
kommt nicht immer. Egal, das Ergebnis zählt, wir können Wasser bunkern und
Thomas kann warm duschen. In der Zwischenzeit versorgen uns Manni two und
Hans-Peter mit 2 Blocks Eis für die Kühlung. Am Abend gehen alle bis auf
Oliver in
eine kleine Taverne nahe des Fischerkais. Der Wirt
verwöhnt uns mit einer
Fischplatte für 5 Personen und einmal Pasta
für Hans-Peter. Das Essen war sehr
gut und ich konnte meine Kamera im Restaurant
aufladen. Nach einem Spaziergang
zum Schiff sitzt die Crew, wie allabendlich,
in feuchtfröhlicher Runde beisammen
bis es jeden in die Koje zieht.
Mittwoch, 17. September
Um 8.00 Uhr
laufen wir bereits aus dem Hafen von Kalymnos aus, weil wir möglichst
weit kommen wollen, bevor uns der Wind die Fahrt
nach Norden wieder erschwert.
Wir umfahren Kalymnos auf seiner Ostseite
um in besserer Landabdeckung zu
fahren und dann mit Kurs 310° mit Ziel Leros,
der nördlichen Nachbarinsel. Der
Wind hat früh aufgefrischt und wir stampfen
durch hohe Wellen, so dass keiner
trocken
bleibt, außer Thomas, der es vorzieht
unter Deck zu bleiben. Nach
stürmischer Überfahrt und 22 Seemeilen
später laufen wir die auf der Ostseite
von Leros gelegene Ormos Pantelli an, eine von Norden geschützte
Bucht, die durch
eine Reihe kleiner Windmühlen auf dem Berggrat
und ein nebenliegendes Kastell
auffällt. Der sehr kleine Hafen ist mir 4 Seglern voll, also wollen wir
nebenan vor
dem Strand über ausgewiesenem guten Ankergrund schwojen.
Einige Ankermanöver
später zeigt sich unser Anker als weniger
geeignet für diesen Untergrund,
aber
schließlich haben wir es geschafft und liegen vor dem Strand
in starken Fallböen.
Trotz Sonnenschein und blauem Himmel sind alle von der nassen Überfahrt und
dem
starken kühlen Wind etwas ausgekühlt und freuen sich über eine heiße
Erbsensuppe
mit Einlage von Christian, die unter Deck eingenommen wird, damit
uns der Wind
nicht auch noch die Suppe wegbläst. Danach ist erst mal Ruhe auf dem Schiff
und
Jeder gönnt sich etwas Entspannung und
Schlaf. Dann wird das Dingi fertig
gemacht, mit der Erkenntnis dass
der Außenborder mal wieder defekt ist und der
Gashebel nicht mehr bedient werden kann.
Auch alle Anstrengungen der Crew zu
reparieren bleiben erfolglos. Wir beschließen mit erhöhtem
Standgas die
Überfahrt zu erledigen. Christian und
Hans-Peter wollen an Bord bleiben, während
alle anderen sich für den Landgang vorbereiten. Manfred und Thomas sind zuerst
fertig und werden von Hans-Peter
an Land gesetzt. Von da an nehmen die Dinge
ihren Lauf. Hans-Peter fährt mit
hochgeklapptem Außenborder wieder Richtung
Schiff. Viel zu früh stellt er diesen ab,
weil er glaubt mit dem Restschwung
festzumachen. Stattdessen treiben ihn die
Fallböen sofort ab. Mit Panik, wie auf
der Titanic zerrt Hans-Peter
jetzt an den Rudern des Schlaubootes, weil
er den
Motor nicht mehr in Gang bekommt. Er
sitzt
falsch herum im Boot, schlägt relativ
unkoordiniert mit
den Paddeln um sich, mit dem Erfolg, sich
im Kreis zu drehen und
noch weiter abzutreiben. In abwechselnder
Reihenfolge erreichen ihn gut gemeinte
Zurufe und schallendes Gelächter
von der „always summer",
vom Land und vom
Nachbarschiff, wo man auf das hoffnungslose Unterfangen
von Hans-Peter
aufmerksam geworden war. Oliver zieht sich
bereits unter Protest
aus, um durch
einen Sprung vom Schiff seinen Erzeuger davor zu bewahren, sich im
Schlauchboot
Richtung Rhodos aufzumachen. Was Mann nicht
alles tun muss,
um seinen
Hauptsponsor bei Laune zu halten. Nach
einigen veränderten Sitzposi+ionen
im
Schlauchboot, steuert
Hans-Peter zielstrebig im Zickzack Kurs
unser Schiff an.
Naß geschwitzt und außer Atem wirft er
uns die Leine zu und kommentiert als
erstes,
das Paddel sei defekt. Jetzt können
Oliver, Manni two
und ich auch an Land
übersetzen. Über eine kleine Erhebung
gelangen wir zu Fuß in die Nachbarbucht
und in den kleine Ort Pantelli. Direkt am
Strand suchen wir eine kleine Taverne, wo
wir gut bewirtet werden und noch einige
Zeit über die Ruderqualitäten unseres
Dingi-Kings reden und, es sei gestattet,
auch lachen. Die Rückfahrt zum Schiff
gestaltet sich problemlos und wir sehen
dass unsere beiden Kameraden statt des
Ankerlichtes das Dampferlicht im Mast
angemacht haben. Nach der vorherigen
Rudereinlage halten uns die Nachbarn bei
dieser Lichterführung jetzt für Profis.
Wieder
an Bord, setzen
wir die gute Unterhaltung
mit viel Gelächter
fort, bis das
Dingi-Thema erschöpft ist
und alle in die Kojen gehen.
Donnerstag, 18. September
Am
frühen Morgen stellen wir entsetzt
fest, dass
wir abgetrieben sind und unser
Anker driftet. Unsere ursprünglichen Nachbarn sind weit von uns entfernt
und wir
fahren erst einmal ein neues Ankermanöver im kleinen Hafen, ohne Erfolg und
dann
wieder an alter Stelle, jetzt hält der Anker. Frühstück unter
Deck und Anker auf
heißt es bis wir uns alle nach den Erfahrungen des Vortages in wasserdichte
Kleidung packen und mit Kurs 312 ° bei Sonnenschein und wie immer starkem
Wind
von Vorn, nach Lipso auslauten.
Wie am Vortag kämpft
sich die „always summer"
durch hohe Wellen und schüttelt die Crew ordentlich
durch. Wieder nass, aber
diesmal richtig gekleidet, erreichen wir
nach 13 Seemeilen, Lipso und beschließen
nicht weiter zu fahren, auf Samos
werden wir verzichten.
An der Südküste von Lipso steuern
wir eine wunderschöne Bucht mit Strand an,
wo
wir in türkisblauem Wasser vor 2 Bugankern schwojen. Es ist
sonnig und warm, aber
noch sehr windig. Christian zaubert
Leberkäse mit Salat
und Ei für jeden,
unterstützt von Hans-Peter.
Manfred stellt fest,
dass wir nur noch einen
Wassertank haben, jetzt muss gespart
werden. Es besteht
der Verdacht, dass bei
der Überfahrt ein Anschluss kaputtging,
denn wir hatten viel Wasser in der Bilge.
Nach dem Essen beschließen wir mit dem Dingi
überzusetzen und über einen
Höhenrücken in die Nachbarbucht nach Lipso-Ort
zu gehen. Den Außenborder
montieren wir schon gar nicht und wollen stattdessen
Muskelkraft einsetzen.
Das
Angebot von Hans-Peter
zu paddeln wird von allen lautstark
dankend abgelehnt. IN
2 Gruppen setzt
die Crew über und wir unternehmen einen sehr schönen Landgang
auf der Insel Lipso.
Im Hafen sehen wir
,
dass dieser weiter und besser ausgebaut
ist. als in unserem Handbuch beschrieben, aber alle sind sich einig,
wir liegen viel
schöner. Nach ein paar Bier in einer Taverne und Einkäufen geht
jeder mit einer
Tüte in der Hand wieder Richtung Schiff.
In unserer Bucht besuchen wir die
einzige Taverne, die herrlich liegt und sehr schön angelegt ist.
Eine kleine
Schweizerin ermöglicht die Bestellung in
deutscher Sprache, was auch nötig ist,
denn eine Karte gibt es nicht. Wir gehen in
die Küche, man zeigt uns was es noch
gibt und jeder sagt was er gern hätte. Manfred und Christian sind so schlau, auch
noch zu fragen, was es kostet
und hören 5 Euro für einen Fisch, das ist
normal.
Nach gutem Essen in eingeschränkter
Auswahl, es gab nur Fisch, versetzt uns die
kleine Schweizerin mit der Rechnung einen
Schock. Alles ist mindesten 2 mal so
teuer wie sonst und auch von Manfred und
Christian wird plötzlich
ein anderer
Preis gefordert. Durch uns veranlasst,
geht die Bedienung noch 3 mal nachfragen,
kommt aber mit demselben Ergebnis zurück.
Wir fügen uns in unser Schicksal.
bezahlen , Manfred und Christian richtigerweise nur den ursprünglich
vereinbarten
Preis und tragen unsere Tüten Richtung
Schiff. Geschmeckt hat es, schön war es,
aber
viel zu teuer, eine Abzocke
zum Saisonende, denn am nächsten Tag
schließt
die Taverne. Bei einem atemberaubenden Sternenhimmel
gelingt jede Dingi-Fahrt
mit Crew und Einkäufen und an Bord wird unter Deck noch erzählt
und gelacht bis
auch der Letzte sagt "gute
Nacht".
Es ist sonnig
und warm, als um 8.00 Uhr, vor dem Frühstück,
unsere Ankerbucht zu
einem Bad in kristallklarem Wasser
einlädt. Mein Shampoo erweist sich als
Seewassertauglich, Haare waschen kann mal
also auch im Meer, das schont den
Wassertank. Nach dem Frühstück holen wir
das Dingi ein und machen uns fertig für
unseren ersten Segeltag.
Nachdem wir unter Motor unsere Bucht in Lipso
verlassen, den nördlichsten Punkt
unseres Törns, setzen
wir endlich Segel, denn von
nun an geht' s nach Süden,
vor dem Wind zurück, Richtung Kalymnos. Die Bavaria
zeigt gute Fahreigenschaften unter
Segel, und es macht allen Spaß entspannt
an
Deck in der Sonne zu sitzen,
und nur Wind und Wellen zu hören, während wir mit
bis zu 7,5 Knoten gut Fahrt aufnehmen. Weil wir so gut vorankommen, gönnen
wir
uns einen Schlag östlich, um später
wieder westlich zur Küste von Kalymnos zu
kommen. 24 Seemeilen vergehen wie im Flug und am Nachmittag laufen wir in die
Ormos Vathy
ein, auf der Ostseite von Kalymnos gelegen.
Eine tiefe schmale Bucht,
mit beidseits senkrecht
abfallenden Felsen, die sich in der Spitze stark
verjüngt
und mit ein paar Häusern den gleichnamigen Ort
bildet. Wir legen uns längs auf die
Innenseite des Fährkais, nachdem man uns
gewarnt hat,
am Yachkai wäre es zu
flach. Die uns gewarnt haben, legen sich längs auf unsere Steuerbordsei+e
und nach
kurzem Anstoß, so wie Leinen- und Fender-Durcheinander
liegen beide Schiffe mit
herrlicher Aussicht in der Bucht.
Nach einer kräftigen Gemüsesuppe mit
Einlage,
wie immer von Christian und Hans-Peter,
gestaltet jeder den Nachmittag auf seine
Art, mit faulenzen, baden, Landgang oder
lesen. Wasser können wir auch hier nicht
bekommen, also weiter haushalten. Am Abend gehen alle in den kleinen Ort, wo
uns
eine ältere Tavernenbetreiberin
in ihr Lokal lockt, sofort ihre Fisch- und
Fleischauslage präsentiert und uns einen
Tisch anweist. Wir essen gut, merken
aber, dass wir, seit wir bestellt
haben, völlig uninteressant geworden sind.
Als wir
die Rechnung bekommen, stellen wir fest,
dass es noch teurer geht,
als am Vortag.
Wieder um eine Erfahrung reicher, Fisch vorher abwiegen lassen, gehen wir zum
Schiff zurück und verbringen den Abend noch an Deck, mit herrlicher Aussicht
aus
der Bucht auf das beleuchtete türkische
Festland.
Samstag, 20. September
Ab 7.30 Uhr
ist Leben an Bord. Thomas hat
versucht Brot zu holen,
aber in diesem
verträumten Ort beginnen die Geschäfte
später. Nicht schlimm, wir sind noch
versorgt und nach ausgiebigem Frühstück, wieder nach einem erfrischenden
Bad,
gehen Thomas
und ich noch mal in den Ort um Eis für die
Kühlung zu kaufen. Dann
heißt es Leinen los am Pier und wir fahren
aus der Bucht mit Ziel Kos. Wir setzen
Segel und haben sofort guten Wind. Fok
und Groß sind vollständig gesetzt.
Am
Ruder wundere ich mich wenig später, wie
die Bavaria anluvt und trotz
eingeschlagenem Ruder nach Steuerbord über Backbord in den Wind dreht. Ich
lerne, was es heißt wenn ein Schiff
luvgierig ist und aus Sicherheitsgründen
so
konstruiert ist, dass
es in den Wind dreht, wenn die Schräglage droht
über das
Limit zu gehen. Wir fahren die Fock halb
ein und auch das Großsegel wird mehr als
halb geborgen. Jetzt geht
es mit Kurs 113° weiter Richtung Kos. Die
Dünung
schaukelt das Schiff von achtern aus dem Kurs und macht viel Ruderbewegung
erforderlich. Das letzte Drittel
der 13 Seemeilen segeln wir mit halbem Wind
gemütlich und genüsslich bei herrlichem
Wetter. In Kos laufen wir in den
Stadthafen ein. Nachdem wir direkt an der Straße
festgemacht haben, verweist
man uns auf die gegenüberliegende Seite, direkt
unter dem Kastell,
weil auf unsrem
Platz Ausflugsboote ihren festen
Liegeplatz haben. Gegenüber
legen wir uns
zwischen Fischerboote und liegen noch
schöner als vorher. Der direkt am
Liegeplatz befindliche Kasten mit
Wasserzapfstelle wird von Manfred mit
Werkzeug untersucht,
bis wir soweit sind, dass wir hier selbst Wasser nehmen
könnten. Zeitgleich stoßen wir auf ein Hinweisschild, dass mit 2 Telefonnummern
auf Mr. Nikos verweist, der autorisiert
ist. Wasser abzugeben. Der Preis ist noch
in Drachmen angegeben, und die
Telefonnummern sind inzwischen falsch. Ein
Schwammverkäufer auf einem benachbarten Fischerboot hilft uns mit der
richtigen Nummer und 5 Minuten später ist
Mr. Nikos an unserem Schiff und füllt
endlich unsere Wassertanks für 5 Euro
auf. Weil er uns den Tipp gibt, unser Schiff
erst gar nicht anzumelden und ohne zu
bezahlen den Hafen am nächsten Tag wieder
zu verlassen, dass sei hier egal, erhält er noch 3 Euro extra und freut sich
sichtlich, denn er bietet sogar an, vor
unserer Abfahrt unsere Tanks noch einmal
kostenlos aufzufüllen. Jetzt servieren Christian
und Hans-Peter Spaghetti
und
Soße für alle und wir genießen ein Mittagessen
auf Deck.
Danach gehen Manfred, Manni two
Thomas und ich um das Kastell zur ca. 1,5 km
entfernten neuen Marino von Kos, eine sehr
schöne und moderne Marino, mit
weiteren Charterstützpunkten. Hans-Peter
und Christian erkunden zeitgleich die
Stadt und Oliver ruht
sich an Bord aus. Am Abend, nachdem jeder
eine Dusche auf
der Heckplattform genossen hat,
gehen wir alle in die Stadt und empfinden
diese
als sehr schön und abwechslungsreich. Bei unserem Rundgang gehen wir vor
einer
Kirche durch festlich gekleidete Menschen,
in der Kirche findet eine Hochzeit
statt. Später sitzen
wir in einer Taverne nahe der Kirche und beobachten
immer
wieder Leute mit kleinen weißen Tüllsträußen
in der Hand. Bevor wir zahlen kommt
eine sehr nette Griechin mit einem ganzen
Tablett solcher Sträuße auf uns zu und
sagt sie sei die Schwester der Braut und
schenkt jedem von uns ein solches
Hochzeitsgastgeschenk. Wir bedanken uns herzlich und sind sehr verblüfft, und
das Rätselraten darüber, um was es sich bei diesen Tüllsträußen gehandelt
hat, hat
ein
Ende. Duplizität
der Ereignisse ist, bei unserem letzten Törn
waren wir auch in
eine Hochzeit geraten,
jetzt wurden wir auch noch beschenkt.
Ein abendlicher
Spaziergang durch die Einkaufs- und Vergnügungsgassen der Stadt
und eine
feuchtfröhliche Runde an Bord runden
diesen schönen Tag ab. Bevor wir uns die
Kojen zurückziehen, erleben wir noch, wie der benachbarte Schwammverkäufer
mit
entsprechendem Charme eine nette
junge Rucksacktouristin zu sich an Bord
lotst,
für die sich die Quartiersuche an diesem Abend erledigt
hat.
Sonntag, 21. September
Noch
ausgiebigem Frühstück, wie jeden Tag,
kaufen wir noch Bier und Eis-Packs
und legen dann im Stadthafen von Kos ab, mit
Kurs süd-südost fahren wir unter
Segel bei herrlichem Wetter Richtung Symi. Dieser Törntag ist Erholung pur weil
wir bei ruhigem Wasser und ohne Schräglage den ganzen Tag auf Deck faulenzen
und mit guten Gesprächen,
lesen und schlafen verbringen. Die einzige
Unterbrechung dieses Ablaufs ist das Mittagessen.
Eine lecker zubereitete
Linsensuppe mit Mettwurst, die über den
Rest des Tages für reichlich
Geräuschentwicklung und Gasmaskenalarm
sorgt. Besonders Thomas erweist sich
als besonders engagiert beim Verdauen der Linsensuppe und wird von der Crew
auf
die Leeseite des Schiffes verbannt, nachdem er aus seiner Koje und dem Salon
bereits eine Pumahöhle gemacht hat.
Am
Spätnachmittag laufen wir im Süden der
Insel Symi in die Ormos Panornitou
ein, eine schöne, gut geschützte
Bucht, mit
einem Kloster, einem Lebensmittelladen, der
gleichzeitig die einzige Taverne ist
und einem Bäckerladen. Wir legen uns längsseits
an das Fährkai, das eigentlich den
Ausflugsschiffen vorbehalten ist. Heute
kommt aber keins mehr und vor dem
Ersten am nächsten
Tag, sind wir wieder weg. Das erspart uns weitere Erlebnisse
mit dem Dingi und unserem Dingi-King.
Die zurückgelegten 43 Seemeilen haben wir
sehr genossen und erfrischen uns jetzt mit
einem Bad in der Bucht und ausgiebiger
Dusche an Bord bevor wir alle in die einzige Taverne zum Abendessen gehen.
Eine
türkische Gulet hat zwischenzeitlich
ebenfalls am Kai festgemacht. Thomas und ich
lassen uns das Schiff vom Eigner und Kapitän zeigen und sind von der Ausstattung
und dem Raumangebot begeistert.
Feuchtfröhlich, bei Wein, Ouzo und Bier
endet
ein schöner Tag an Deck der „always summer".
Montag, 22. September
Unser letzter
Törntag beginnt
mit herrlichem Wetter
in unserer ruhigen Bucht.
Die letzten Tage weckte uns Manfred abwechselnd und einfühlsam mit
Liedern der
Bee Gees
oder Stücken aus Klassik-Rock und von griechischen Komponisten. Heute
Morgen sind es die Hits der unvergessenen
Gruppe ABBA, die uns langsam aus dem
Schlaf holen, unterstützt
von den Klosterglocken aus dem nahe
gelegenen
Glockenturm.
Nach dem Frühstück,
mit frischem Brot und Apfelteilchen aus der
Klosterbäckerei,
legen wir ab und setzen außerhalb der Bucht
die Segel. Langsam
und immer langsamer fahren wir mit Kurs 99° Richtung Rhodos, bis wir nur noch
dahin dümpeln. Der Meltemi lässt völlig nach und das Wasser
ist glatt. Das
hätten
wir auf der Hinfahrt gebrauchen können.
Unter
Motor machen wir uns auf die letzte n Seemeilen, genießen den Tag auf Deck
während die Klänge von ABBA die
Atmosphäre der genussvollen Fahrt
unterstreichen. Kurz vor Rhodos-Stadt ankern wir noch einmal vor einem
Badestrand und alle nehmen ein letztes,
erfrischendes Bad, bevor wir unter Motor
die letzten Seemeilen zurücklegen und in den Stadthafen
von Rhodos einfahren.
Erst Tanken, dann Schiffsübergabe, dann
Packen und auf zum letzten Landgang in
die Stadt. Nach einem Bummel durch die Altstadt
essen wir dort, wo wir vor 10
Tagen begonnen haben. Nach einem schönen Abend in der Altstadt von Rhodos
schlafen wir noch einmal auf der „always summer".
Dienstag. 23.
September
Früh morgens
heißt es Gepäck
und Mannschaft von Bord und 2 Taxen bringen uns
zum Flughafen.
Alle sind
sich einig, wir hätten noch Zeit dranhängen können,
ein sehr erholsamer
und sehr harmonischer Törn ist zu Ende,
bei dem die Crew super gepasst hat
und
das Schiff gute Fahreigenschaften gezeigt hat.
Es gab viel zu sehen und zu erleben
zwischen den Inseln, wo die Götter Urlaub machen.